Beim Packen zu Hause merkt man es meist nicht. Der Rucksack lässt sich zusammenfalten, alles passt hinein und das Gewicht fühlt sich beim Anheben vom Boden angenehm an. Doch die Frage, wie viel Gepäck der Rucksack wirklich aufnehmen kann, entscheidet sich nicht im Flur, sondern erst nach ein paar Stunden auf einem Wanderweg, einer Schotterpiste oder in nassem Gebirge. Dann erst wird der Unterschied zwischen einem Rucksack, der einfach nur viel fasst, und einem, der sich tatsächlich gut tragen lässt, deutlich.
Wie viel Packinhalt passt in der Praxis in den Rucksack?
Kurz gesagt, es kommt auf drei Dinge gleichzeitig an: die Konstruktion des Rucksacks, die Gewichtsverteilung und die Passform. Ein Rucksack kann zwar ein großes Volumen haben, aber bei schwerer Beladung trotzdem schlecht sitzen. Ein anderer hingegen kann kleiner sein, sich aber dank einer steiferen Rückenplatte, eines besseren Hüftgurts und eines stabileren Tragesystems angenehmer tragen.
Viele achten zunächst auf die Literangabe, beispielsweise 40, 55 oder 70 Liter. Das ist zwar wichtig, aber das Volumen gibt hauptsächlich an, wie viel Ausrüstung hineinpasst, nicht wie bequem sie zu tragen ist. Ein 50-Liter-Rucksack für leichte Wanderungen ist oft leichter als ein schwererer Trekkingrucksack derselben Größe.
Für einen Tagesausflug reichen oft ein geringes Gewicht und ein einfacher Rucksack aus. Bei mehrtägigen Wanderungen mit Zelt, Schlafsack, Isomatte , Kochgeschirr und Verpflegung sind die Anforderungen höher. Dann ist das Tragesystem wichtiger als das reine Packvolumen.
Volumen und Gewicht sind nicht dasselbe.
Man kann Liter und Kilogramm leicht verwechseln. Liter beschreiben das Volumen, Kilogramm die Last. Ein 60-Liter-Rucksack kann halbvoll, aber trotzdem schwer sein, wenn man viel Wasser, feste Nahrung, Gas, Winterausrüstung oder Kameraausrüstung dabei hat. Er kann aber auch voll, aber relativ leicht sein, wenn man kompakte, leichte Produkte verwendet.
Deshalb kann ein und derselbe Rucksack für den einen Wanderer gut geeignet sein, für den anderen aber schlecht. Zwei Personen können zwar 55 Liter tragen, aber der eine wiegt 11 Kilo und der andere 18. Für den Rücken macht das einen großen Unterschied.
Als Faustregel gilt: Orientieren Sie sich an der vom Hersteller angegebenen empfohlenen Maximallast, sofern diese Angabe verfügbar ist. Falls nicht, sollten Sie die Konstruktionsbeschreibung beachten. Breite Hüftflossen, ein transparenter Rahmen oder eine Schiene, eine verstellbare Rückenlänge und eine stabile Kompression deuten in der Regel darauf hin, dass der Rucksack für höhere Gewichte ausgelegt ist. Dünneres Material, einfachere Gurte und ein minimalistisches Rückenteil weisen hingegen häufiger auf eine geringere Traglast hin.
Was ist üblicherweise eine angemessene Last?
Es gibt keine absoluten Grenzen, die für alle gelten, aber bestimmte Werte dienen als gute Richtwerte.
Ein leichter Tagesrucksack eignet sich am besten für geringe bis mittlere Beladung. Packt man Regenkleidung, Ersatzausrüstung, Proviant, Wasser und ein kleines Erste-Hilfe-Set ein, ist man selten an der Belastungsgrenze. Problematisch wird es erst, wenn der Rucksack für etwas verwendet wird, wofür er nicht konzipiert wurde, beispielsweise für eine Übernachtung im Zelt mit Verpflegung.
Ein leichter Wanderrucksack für den Sommer eignet sich in der Regel gut, solange das Gewicht gleichmäßig auf den Hüften verteilt ist und nicht an den Schultern zieht. Ein robusterer Trekkingrucksack kann deutlich mehr Gewicht tragen, insbesondere wenn die Last nah am Rücken sitzt und die Hüften den Großteil des Gewichts tragen.
Wichtig ist nicht, das maximale Gewicht auszureizen, sondern in einem Bereich zu bleiben, in dem der Rucksack noch gut sitzt. Sobald Druckstellen auftreten, der Rucksack seitlich schwankt oder das Gefühl entsteht, dass die Schultergurte mehr Gewicht tragen müssen als die Hüften, ist man nahe an der oder über dem optimalen Wert.
Anzeichen dafür, dass Ihr Rucksack zu schwer gepackt ist
Es gibt einige eindeutige Anzeichen. Wenn der Rucksack durchhängt und seine Form verliert, ist die Ladung oft zu schwer oder falsch gepackt. Wenn der Hüftgurt trotz korrekter Positionierung den Druck nicht verringert, ist das Tragesystem entweder zu einfach oder überlastet. Wenn Sie sich stärker als gewöhnlich nach vorne beugen müssen, um dies auszugleichen, sitzt das Gewicht wahrscheinlich zu hoch oder zu weit vom Rücken entfernt.
Man merkt es auch an der Art, wie man sich bewegt. Kurze, stockende Schritte bergauf, Reibung an den Schlüsselbeinen oder Taubheitsgefühle in Schultern und Armen sind häufige Anzeichen. Dasselbe gilt, wenn sich der Rucksack auf dem ersten Kilometer gut anfühlt, aber schnell unbequem wird, sobald sich das Gelände ändert.
In der Praxis spielt der Tragekomfort eine größere Rolle als das theoretische Maximalgewicht. Ein Rucksack, der laut Datenblatt 16 Kilo tragen kann, sich aber bei 13 Kilo unbequem anfühlt, ist in Wirklichkeit eine 13-Kilo-Lösung für Sie.
Wie man die Tragfähigkeit vor dem Kauf beurteilt
Am besten orientiert man sich bei der Wahl des Rucksacks an der Art der Reise und nicht am größten Rucksack, den man jemals brauchen könnte. Bei kürzeren Sommertouren mit leichter Ausrüstung benötigt man selten dasselbe Tragesystem wie bei einer Herbsttour mit mehr Proviant und einem wärmeren Schlafsack.
Schätzen Sie zunächst das Gesamtgewicht Ihres üblichen Rucksacks. Berücksichtigen Sie dabei alles: Zelt, Schlafsack, Isomatte, Kochgeschirr, Brennstoff, Wasser, Verpflegung, Wechselkleidung und Kleinigkeiten. Sobald Sie ungefähr wissen, wie viele Kilo Ihr Rucksack üblicherweise wiegt, fällt es Ihnen leichter, die passende Rucksackkategorie zu wählen.
Betrachten Sie dann das Verhältnis von Eigengewicht zu Tragfähigkeit. Ein ultraleichter Rucksack wiegt weniger und ist attraktiv, wenn Sie bereits kompakte Ausrüstung besitzen, erfordert aber mehr Disziplin beim Packen. Ein schwererer Rucksack kann besser geeignet sein, wenn Sie wissen, dass Sie häufig mehr Proviant, mehr Wasser oder Ausrüstung für kältere Temperaturen mitführen.
Es lohnt sich auch, die Rückenlänge und den Hüftgurt genau zu prüfen. Ein Rucksack mit guten technischen Daten, der aber nicht richtig passt, fühlt sich schnell minderwertig an im Vergleich zu einem einfacheren Modell, das perfekt sitzt.
Wie viel Gepäck passt in den Rucksack, je nachdem, wie er gepackt wird?
Derselbe Rucksack kann je nach Inhalt unterschiedlich viel Gewicht aufnehmen. Weiche und komprimierbare Ausrüstung wie eine Decke, eine Daunenjacke und leichte Kleidung sind selten ein Problem. Schwere und kompakte Gegenstände haben einen größeren Einfluss, als man denkt. Wasser ist ein gutes Beispiel. Zwei zusätzliche Liter machen sich sofort bemerkbar, besonders wenn sie weit vom Rücken entfernt sind.
Auch Lebensmittel für mehrere Tage summieren sich schnell zu einem Gewicht. Das gilt insbesondere für Dosen, Gläser oder andere Verpackungen, die nicht fürs Wandern geeignet sind. Zelte sind heutzutage zwar relativ leicht, aber Heringe, Stangen und nasses Zeltgewebe stellen dennoch ein Gewicht dar, das stabil sein muss.
Das Packen im Winter verändert die Bedingungen nochmals deutlich. Ein wärmerer Schlafsack, mehr Kleidung, eine besser ausgestattete Kochausrüstung und oft auch mehr Brennstoff bedeuten, dass ein Rucksack, der im Sommer gute Dienste geleistet hat, plötzlich nicht mehr so sinnvoll erscheint. Es reicht nicht mehr, einfach alles hineinzubekommen. Das Tragegestell und der Hüftgurt des Rucksacks müssen das Gewicht weiterhin zuverlässig tragen können.
Die richtige Verpackung macht einen großen Unterschied.
Ein Rucksack fühlt sich stabiler an, wenn er richtig gepackt ist. Schwere Gegenstände sollten nah am Rücken und etwa auf halber Höhe sitzen. Sitzen sie zu tief, wird der Rucksack steif und instabil. Sitzen sie zu hoch, kann sich der Rucksack kopflastig anfühlen, besonders auf unebenem Gelände.
Leichtere Gegenstände können weiter außen und unten verstaut werden, solange sie zur Stabilisierung beitragen. Die Kompressionsriemen sollten verwendet werden. Ein halb lockerer Rucksack, der im Rucksack hin und her rutscht, fühlt sich oft schwerer an als eine gut komprimierte Ladung desselben Kilos.
Es ist außerdem wichtig, nicht zu viel Ausrüstung außen am Körper zu befestigen. Isomatten, Kochtaschen, nasse Kleidung und Wasserflaschen können zwar außen angebracht werden, aber alles, was weit vom Körper entfernt ist, kann das Gleichgewicht beeinträchtigen. Bei kürzeren Touren spielt das keine große Rolle. Bei längeren Wanderungen hingegen schon.
Wann sollte man einen größeren oder schwereren Rucksack wählen?
Wenn du oft sowohl Volumen als auch Gewicht bis zum Äußersten ausreizt, liegt das Problem selten an deiner Packtechnik. In diesem Fall ist der Rucksack entweder zu klein oder zu leicht gebaut. Das macht sich besonders bemerkbar, wenn du regelmäßig mit Zelt wanderst, Proviant für mehrere Tage mitführst oder mehr Wasser zwischen den Nachfüllungen benötigst.
Ein größerer Rucksack ist jedoch nicht automatisch besser. Mehr Volumen verleitet oft dazu, mehr einzupacken, und plötzlich trägt man Dinge mit sich herum, die man gar nicht braucht. Für viele Wanderer ist ein mittelgroßer Rucksack die bessere Lösung, besonders wenn die restliche Ausrüstung kompakt ist. So lässt sich das Gewicht den ganzen Tag über leichter in einem vernünftigen Rahmen halten.
Beim Vergleich verschiedener Modelle ist es ratsam, Rucksack und Ausrüstung als System zu betrachten. Leichtere Zelte, kleinere Schlafsack-Packsäcke und durchdachtere Kochsysteme können dazu führen, dass man mit einem leichteren Rucksack auskommt. In einem Fachgeschäft wie Hikingstore ist diese Art des Vergleichs oft aussagekräftiger als die reine Betrachtung von Volumen und Preis.
Der beste Rucksack ist selten der, der auf dem Papier am meisten tragen kann, sondern der, der Ihre normale Last stabil trägt, ohne unnötige Belastung und ohne nach dem Mittagessen lästig zu werden.
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